Seit dem vergangenen Wochenende ist es fix: Das achtplatzierte Team der Bayernliga-Vorrunde, die Löwen vom EHC Waldkraiburg, muss bereits ab der kommenden Woche in die Play-Down-Runde. Vorher gilt es am Freitag um 20:00 Uhr in der Raiffeisen-Arena gegen Geretsried und am Sonntag um 18:00 Uhr in Amberg zu bestehen. Ob dieser Modus als fair bezeichnet werden kann oder nicht, steht auf einem anderen Blatt Papier. Tatsache ist, dass die Löwen es weder in den Pre-Play-Off-Runden noch in der Abstiegsrunde vermochten, den Klassenerhalt frühzeitig zu festigen.
Sucht man nach Gründen für dieses Abschneiden, stößt man auf mehrere Baustellen. Zum einen sind da natürlich die zahlreichen Ausfälle. Mit Andris Džeriņš, der seit einigen Wochen fehlt, steht ein wichtiger Baustein nicht zur Verfügung. Kapitän Nico Vogl fehlt nach dem rüden Check in Peißenberg ebenfalls, und zeitweise musste auch der frisch verlängerte Eishockey-Magier Jakub Šrámek pausieren. Mit einem Rumpfkader und Verstärkungen aus Landshut sowie der zweiten Mannschaft gelang es dem Trainerteam dennoch, immer wieder eine spielfähige Mannschaft aufs Eis zu bringen.
Auch ohne diese Akteure verfügt das Team nominell weiterhin über viel Qualität. Dennoch scheint die Mischung aus Verunsicherung und Formschwankungen derzeit spürbar Einfluss auf das Spiel der Löwen zu nehmen. Spieler wie Leon Decker, Anthony Dillmann oder Florian Maierhofer gelten seit Längerem als wichtige Bausteine für die Zukunft des Teams, konnten diese Rolle zuletzt jedoch nicht konstant auf das Eis bringen. Auch von erfahrenen Kräften wie Max Cejka oder Martin Kokeš erwartet man in dieser Phase naturgemäß viel Verantwortung, die aktuell noch nicht durchgehend sichtbar wird. Insgesamt wirkt es, als habe die angespannte sportliche Situation ihre Spuren hinterlassen. Viele Spieler des aktuellen Kaders kennen diese Lage bereits aus der Vergangenheit – und wie schon damals schleicht sich in solchen Momenten schnell Unsicherheit ins Spiel ein. Phasenweise wird das Spiel fahrig, gelegentlich entstehen Einzelaktionen aus der Not heraus, während einfache Lösungen bevorzugt werden.
Der Unterschied zu damals liegt jedoch darin, dass die Mannschaft weiß, wozu sie grundsätzlich in der Lage ist. Die Statistiken der Vorrunde zeigen deutlich, welches Potenzial vorhanden ist: Platz drei bei den erzielten Toren und ein solider Wert bei den Gegentreffern belegen, dass Qualität vorhanden ist. Den Weg zurück zu dieser Stabilität zu finden, ist nun Aufgabe des Trainerteams, das intensiv daran arbeitet, eine Entwicklung in die richtige Richtung anzustoßen.
Um verlorenes Selbstvertrauen zurückzugewinnen, geht es am kommenden Freitag um 20:00 Uhr in der heimischen Raiffeisen-Arena gegen den ESC Geretsried. Die spätere Startzeit resultiert daraus, dass der BEV (Bayerischer Eissportverband) die letzten Spiele einer Runde zeitgleich ansetzt, um mögliche Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden.
Wie gegen alle Teams der kleinen Abstiegsrunde sahen die Löwen zuletzt auch gegen die River Rats nicht gut aus. Die 4:2-Niederlage vom 08.02. bleibt zudem wegen der bangen Minuten um Leander Ruß im Gedächtnis, der anschließend ins Unfallklinikum Murnau eingeliefert werden musste. Sportlich verschliefen die Löwen damals die Anfangsphase komplett – ein Muster, das sich in den folgenden Spielen leider fortsetzte.
Am Sonntag führt der Weg schließlich in die Oberpfalz. In Amberg treffen die Löwen ab 18:00 Uhr auf den aktuellen Tabellenführer der Abstiegsrunde A, den ERSC Amberg. Dieser setzte mit dem 5:2-Erfolg Anfang Februar ein deutliches Zeichen. Auch dieses Team erscheint grundsätzlich schlagbar – vorausgesetzt, die Löwen finden von Beginn an die nötige Stabilität und Entschlossenheit.
Für die Lederer-Truppe geht es in dieser Phase vor allem darum, Selbstvertrauen für die anstehenden Play-Downs aufzubauen. Zwei Siege könnten die leeren Tanks schnell wieder füllen und eine wichtige Grundlage für die nächste Runde schaffen, die nach jetzigem Stand gegen Pfaffenhofen beginnen würde. Einfluss auf den weiteren Verlauf der Abstiegsrunde kann der EHC dennoch nehmen: Mit zwei Erfolgen und entsprechenden Ergebnissen zugunsten Schongaus könnten die Mammuts Geretsried noch vom zweiten Platz verdrängen.
Foto: Yasmin Neumann
Bericht: Alex Ahrends